Alternative für die Rübenbauern

Alternative für die Rübenbauern Die durch den Rübenderbrüssler gebeutelten Rübenbauern dürfen dieses Jahr auf den geschädigten Flächen Mais und Biodiversitätsflächen anbauen.

Mais und Blühflächen werden als Alternative für geschädigte Flächen zugelassen. Foto: Böck
Mais und Blühflächen werden als Alternative für geschädigte Flächen zugelassen. Foto: Böck
Das massive Auftreten des Rübenderbrüsslers in Kombination mit der Trockenheit führt in Teilen Niederösterreichs und in Wien zu massiven Problemen. Rund 10.000 ha Rüben-Anbaufläche sind bereits betroffen. Die heißen Tage haben die Plage immer größer werden lassen. Rübenbauern stehen teilweise schon vor ihrem zweiten Ernteausfall. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, Niederösterreichs Agrarlandesrat Stephan Pernkopf und der Präsident der Landwirtschaftskammer Hermann Schultes haben jetzt reagiert.

Kulturnachbau möglich
Konkret gilt für Teilnehmer an der ÖPUL 2015-Maßnahme "Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung" mit Betriebssitz in den Bezirken Baden, Bruck/Leitha, Hollabrunn, Gänserndorf, Korneuburg, Krems/Donau, Mistelbach, Mödling, St. Pölten, Tulln, Wiener Neustadt und Wien folgende Ausnahmeregelung: Für die betroffenen Betriebe ist es möglich, bis spätestens 15. Mai auf geschädigten Rübenflächen (auch wenn schon eine Düngung oder eine Pflanzenschutzmaßnahme erfolgt ist) Biodiversitätsflächen (Code DIV) anzulegen, für die aufgrund der besonderen Umstände keine Verpflichtung zur Zweijährigkeit besteht. Andere Auflagen wie Anlagetermin, Mischungspartner und Pflegevorgaben sind jedoch einzuhalten. Für DIV-Flächen zwischen 5 und 10% der Ackerfläche wird eine Prämie in Höhe von 450 Euro gewährt. Wenn angebaute Zuckerrübenflächen durch den Rübenderbrüssler zerstört wurden und auf diesen Flächen ein Nachbau von Mais erfolgt, kann dadurch auch bei Betrieben mit mehr als 5 ha Acker die Grenze von 75% Getreide und Mais überschritten werden. In diesem Fall kommt es zu keinen Förderungskürzungen wegen Nichteinhaltung der Grenze.

Alle anderen Auflagen bei der Maßnahme "Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung", zum Beispiel maximal 66% einer Kultur bei mehr als 5 ha Acker oder mindestens drei verschiedene Kulturen bei mehr als 30 ha Acker, müssen jedenfalls eingehalten werden. Unabhängig von diesen Regelungen müssen auch die Fruchtfolgeauflagen im Rahmen des "Greenings" bei den Direktzahlungen weiterhin eingehalten werden.

Meldung an die AMA
Um die Ausnahmebestimmungen in Anspruch nehmen zu können, muss eine Einzelfallmeldung betreffend "flächen- und bewirtschaftungsverändernder Umstände" bis spätestens 11. Juni 2018 an die AMA übermittelt werden. Dabei handelt es sich um ein formloses Schreiben, in dem die betroffenen Flächen und die gewünschte Ausnahme (DIV-Flächen oder 75 %) anzuführen sind. Der von der Agrana ausgesendete Kontrahierungsvertrag ist dem Ansuchen in Kopie beizulegen. Das Ansuchen kann postalisch (Agrarmarkt Austria, Referat 14, Dresdner Straße 70, 1200 Wien), per Mail oder per Fax an 01/33151-295 gesendet werden.

Für die richtige Kulturangabe im Mehrfachantrag-Flächen 2018 gelten die regulären zeitlichen Fristen (15. Mai für die Antragsabgabe, Kulturänderungen bis 3. Juni ohne zeitliche Kürzung und Nachfrist mit zeitlicher Kürzung bis 11. Juni).

Alternative Anbaumöglichkeiten
Neben dem Maisanbau gibt es auch noch andere Kulturen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll angebaut werden können. Wurden die Zuckerrüben bereits mit Stickstoff gedüngt, besteht die Möglichkeit, eine Folgekultur mit niedrigerem Stickstoffdüngebedarf (z. B. Sojabohne) als die bereits erfolgte Düngung anzubauen. Dabei entsteht kein Verstoß gegenüber den Bestimmungen der Nitrat-Aktionsprogramm-Verordnung, da zum Zeitpunkt der Düngung noch von einer normalen Entwicklung des Bestandes und somit eines normalen Düngerbedarfes ausgegangen werden konnte. Eine zusätzliche Düngung der Nachfolgekultur ist jedoch nicht mehr zulässig.

Weiters kann eine Folgekultur mit höherem Stickstoffbedarf als die bereits erfolgte Düngung angebaut werden. Die bereits ausgebrachte Düngemenge ist aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhanges als Düngung für die Folgekultur anzusehen und die ausgebrachte Düngemenge daher in der Düngeplanung der Folgekultur zu berücksichtigen.

Aktionsgipfel für Rübenbauern
"Diese Vorgehensweise ist jetzt ein wichtiger Schritt zur Unterstützung unserer Rübenbauern. Für den heimischen Zucker müssen wir einen Maßnahmenplan erarbeiten. Wir müssen uns bewusst sein, dass die gesamte Branche vor einer sehr schwierigen Situation steht. Da geht es um Arbeitsplätze und Familienbetriebe", so Köstinger. Hier seien die EU-Kommission, der Handel und auch die Industrie aufgefordert, die heimischen Zuckerproduzenten bestmöglich zu unterstützen. "Die Österreicherinnen und Österreicher wollen österreichischen Zucker und keinen mit Neonicotinoiden behandelten, importierten. Nun sind wir alle am Zug, die Rübenbauern zu unterstützen, damit wir gemeinsam nur noch heimischen Zucker in unseren Regalen haben. Deshalb lade ich die Handelsketten, die Industrie, NGOs, die Rübenbauern und auch Experten der LKÖ noch im Mai zu einem Aktionsgipfel ein", so die Ministerin. (Schluss)



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